Wenn der Vater mit dem Kinde…
Neulich war ich mal wieder joggen. Nicht selten begleitet mich dabei eines meiner Kinder auf dem Fahrrad. Dabei ergeben sich oft schöne Gespräche zwischen Kind und Papa – über spezielle Themen oder auch Belangloses. Bin ich ohne kindliche Begleitung unterwegs, werde ich selbst zum Kind und rede mit meinem Papa, ja, dann gehe ich in den Austausch mit meinem Vater im Himmel. Möglicherweise runzeln Sie jetzt die Stirn… Was ich meine, ist Gebet. Zum Gebet hat uns die Bibel einiges zu sagen. Zwei Stellen im Neuen Testament kommen mir immer wieder in den Sinn:
Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. (Johannes 4:23-24).
Wir können Gott zwar nicht sehen, wenn wir aber beten, sollen wir nicht vor uns her reden, um ein Ritual zu erfüllen, sondern unser Herz ausschütten im festen Glauben, dass wir gehört werden. Dann werden wir auch nicht nur eingeübte Formeln sprechen, sondern wir werden wie gegenüber einem menschlichen Vertrauten, unsere Freuden und Nöte mitteilen.
Wie ist es aber nun mit dem Beten beim Joggen? Sein Sie erst einmal beruhigt, man muss nicht unbedingt joggen, um beten zu können. Ich möchte aber eins behaupten: Wenn wir uns mal nicht von irgendeinem Medium ablenken lassen, sondern mit unseren Gedanken ganz allein sind, sind wir immer in einem Gebet. Das mag Sie erstaunen. Die Bibel sagt uns, dass Gott der Herzenskenner ist (vgl. Apostelgeschichte 15:8). Und wenn wir bspw. bei einer stupiden Arbeiten wie Fegen oder Abwaschen oder wenn wir Nachts aufwachen und nicht wieder einschlafen können nachdenken, dann beschäftigen wir uns mit unseren Herzenssachen. Die sind manchmal sehr klein. Und manchmal lebensentscheidend. Gott möchte, dass wir diese Sachen mit ihm ausmachen und fordert uns sogar auf:
…betet unablässig;… (1. Thessalonicher 5:17)
Unser Schöpfer weiß ganz genau, dass das menschliche Leben nicht allein aus Beten bestehen kann und doch fordert er uns auf, ständig zu beten. Was hier gemeint ist, ist unsere innere Einstellung, fest mit der Gegenwart Gottes zu rechnen, beim morgendlichen Besuch des Bades, bei der Fahrt zur Gartenparty, während eines Krankenhausbesuches bei einem Freund, vor einer wichtigen Prüfung, bei der Einschulung der Enkelin… Und eben auch beim Joggen.
Sie mögen sich nun fragen, wie so ein Gespräch klingen mag. Auch hierzu hat uns Gottes Wort etwas zu sagen:
…denn das Unsichtbare von ihm [von Gott], sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden, wird geschaut,… (Römer 1:20)
Gottes Schöpfung, die Natur, wirkt sehr beruhigend auf uns Menschen. Nicht umsonst wird Patienten psychischer Therapien zu Bewegung im Freien geraten. Die meisten Menschen, die sich einmal auf den Anblick, die Gerüche, die Klänge und die Vielfalt der Schöpfung eingelassen haben, werden das verstehen können. Und das kommt nicht von Ungefähr – als Teil dieser Schöpfung, fühlen wir uns in derselben wohl. Die Natur in ihrer Vollkommenheit und Funktionalität ist ein Teil des Göttlichen Redens zu uns. Leider sieht man immer häufiger Menschen, die sich gegen dieses himmlische Reden mit kleinen und großen Kopfhörern abdichten.
Ich möchte Ihnen heute einen Vorschlag machen: Ob es Ihnen gut geht oder Sie gerade Kummer haben, gehen Sie doch mal eine Stunde spazieren, ohne Handy selbstverständlich. Lassen Sie die Natur auf sich wirken und bedenken Sie, wofür Sie gerade dankbar sind oder worin Sie Sorgen haben. Laden Sie Gott bewusst ein, diese Gedanken „mitzuhören“.
Beten ist nicht nur, wie viele meinen, dass man sich hinknien, die Hände falten müsste und dann laut oder leise vor sich hinredet. Selbstverständlich ist es gut, sich bewusst Zeit für das Beten zu nehmen und dabei eine ehrfürchtige Haltung einzunehmen. Das Gespräch mit Gott zu suchen, ist immer möglich und richtig.
Nun mag das schon ganz schön weit weg und seltsam für Sie klingen. Aber doch ist da etwas in Ihnen, dass Sie bis hierher hat lesen lassen. Nehmen Sie sich doch mal ein paar Minuten Zeit (auch wenn Sie gerade nicht spazieren oder joggen), schließen Sie die Augen und sprechen Sie Ihre Gedanken ehrlich aus, ganz ruhig, ganz persönlich. Wenn Sie Gott ehrlichen Herzens suchen, wird er sich finden lassen.