Der richtige Fokus

In mehreren Büchern des Neuen Testaments wird von einer Begebenheit berichtet, bei der die Jünger Jesu – erfahrene Fischer – auf seine Anweisung hin mit einem Boot über den See fahren sollten. Dort gerieten sie in einen Sturm, gegen den sie stundenlang anzukämpfen hatten.

Sie waren kraft- und mutlos, als sie plötzlich jemanden auf dem Wasser auf sich zukommen sahen. Ihre Angst wurde dadurch noch größer. In dieser übernatürlichen Situation befürchteten sie, dass es ein Geist sei, bis sie erkannten, dass es Jesus war, der auf sie zukam – eben dieser Jesus, der sie auf den See geschickt hatte und mit dem sie nun schon einige Zeit unterwegs waren, dessen Lehren und Wunder sie mit eigenen Ohren gehört und mit eigenen Augen gesehen hatten.

Auf einmal hören die Jünger – und besonders einer unter ihnen, Petrus – die Stimme ihres Meisters: „Seid getrost. Ich bin es; fürchtet euch nicht!“

Etwas in Petrus’ Herzen verändert sich. Sein Fokus richtet sich neu aus. Er bekommt die tiefe Sehnsucht, näher zu Jesus zu kommen. Petrus bittet seinen Meister, dass er auf dem Wasser zu ihm kommen dürfe – und das eigentlich Unmögliche geschieht: Petrus steigt aus dem Boot und geht auf dem Wasser auf Jesus zu.

Jesus Christus macht es uns möglich, im Sturm, in hohen Wellen, in Unbeständigkeit und Angst den Weg zu ihm zu gehen. Er selbst ist da – mitten im Getöse. Er erlaubt auch schwierige Umstände in unserem Leben, damit wir lernen, auf ihn zu schauen und unseren Fokus neu auszurichten.

Denn der Sturm bedeutet nicht, dass Jesus nicht da ist. Manchmal ist er sogar genau dort zu finden, wo wir ihn am wenigsten erwarten. Die Wellen mögen hoch sein, der Wind mag uns entgegenstehen und unsere eigenen Kräfte mögen längst erschöpft sein – aber Jesus bleibt derselbe.

Petrus konnte nicht auf dem Wasser gehen, weil er stark genug war oder weil er den Sturm bezwungen hatte. Er konnte gehen, weil sein Blick auf Jesus gerichtet war. Erst als er auf den Wind und die Wellen sah, begann er zu sinken.

Vielleicht erleben auch wir gerade einen Sturm. Vielleicht fühlen wir uns müde, überfordert oder mutlos und fragen uns, warum Gott uns überhaupt in diese Situation geführt hat. Doch vielleicht möchte Jesus uns gerade dort begegnen. Nicht unbedingt, indem er den Sturm sofort stillt, sondern indem er uns mitten im Sturm zuruft: „Ich bin es. Fürchte dich nicht.“

Die Frage sollte deshalb nicht immer zuerst lauten: „Wann hört dieser Sturm endlich auf?“, sondern: ,,Wohin schaue ich, solange der Sturm noch da ist?“

Jesus ruft uns dazu auf, nicht auf die Wellen zu schauen, sondern auf ihn. Und manchmal bedeutet Glaube, aus dem sicheren Boot auszusteigen, den Blick auf Jesus zu richten und den nächsten Schritt zu wagen – Er ist da. Mitten im Sturm.

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